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25.000 Copilot-Studio-Credits kosten pro Monat 200 US-Dollar – und sind zum Monatsende ersatzlos weg, wenn ihr sie nicht verbraucht habt. Das ist die einfache Zahl.
Komplizierter wird es bei den drei weiteren Wegen, an Credits zu kommen, bei der Frage, was seit dem 1. September 2026 wirklich neu ist, und dabei, dass inzwischen auch Copilot Cowork an derselben Kreditkarte hängt. Auf der m365 Show habe ich im September 2026 genau dieses Modell in meinem Vortrag skizziert (Video am Ende dieses Artikels). Hier die ausführliche Fassung, geprüft gegen die aktuelle offizielle Microsoft-Dokumentation – inklusive einer Präzisierung, die in der Vortrags-Kurzversion etwas verkürzt rüberkam.
Was ein Credit überhaupt kostet
Seit dem 1. September 2025 heißt die einheitliche Abrechnungswährung für Copilot-Studio-Agenten Copilot Credits – zuvor liefen Verträge auf Basis von Messages beziehungsweise abgerechneten Sitzungen. Die Menge pro Paket und der Pay-as-you-go-Satz haben sich beim Umstieg nicht verändert, nur die Einheit.
Die offizielle Verbrauchstabelle im Standard-Harness sieht so aus:
- Classic Answer: 1 Credit
- Generative Answer: 2 Credits
- Agent Action: 5 Credits
- Tenant Graph Grounding (Zugriff auf Daten über den ganzen Tenant hinweg): 10 Credits
- Agent-Flow-Aktionen: 13 Credits pro 100 Ausführungen
- KI-Tools gestaffelt nach Qualität: Basic 1 Credit pro 10 Antworten, Standard 15, Premium 100, Content Processing 8 Credits pro Seite
- Voice: Classic 10, GenAI 35, Premium GenAI 75 Credits pro Minute
- Reasoning-Modelle: die jeweilige Feature-Rate plus zusätzlich die Premium-Tool-Rate von 10 Credits pro 1.000 Tokens
Wer eine Microsoft-365-Copilot-Lizenz hat und einen Agenten im Standard-Harness mit der eigenen Identität nutzt, zahlt für diese interne Nutzung nichts obendrauf. Das ist ein oft übersehener vierter Bezugsweg neben Capacity Pack, Prepaid und Pay-as-you-go – die eigentlich vier, nicht drei Wege, an Credits zu kommen.
Vier Wege an Credits zu kommen
- Kostenlos inkludiert für Nutzende mit eigener Microsoft-365-Copilot-Lizenz bei interner Nutzung im Standard-Harness.
- Capacity Pack: 25.000 Credits für 200 US-Dollar pro Monat, tenant-weit lizenziert. Ungenutzte Credits verfallen zum Monatsende ohne Rollover – “Credit usage is counted on a monthly basis and resets on the first day of the month”, so Microsofts offizielle FAQ.
- Pre-Purchase Plan (Einheit: Copilot Credit Commit Unit, CCCU): ein Jahr Laufzeit, gestaffelte Rabatte bis zu 20 % gegenüber Pay-as-you-go, gekauft als Azure-Reservierung. Das offizielle Rechenbeispiel: Tier 2 mit 15.000 CCCU kostet rund 14.100 US-Dollar für 1,5 Millionen Credits. Die niedrigeren Einstiegsbeträge, die dazu kursieren, ließen sich nicht als offizielle, feste Tier-Schwellen bestätigen – vor dem Kauf lohnt ein Blick ins Azure-Portal unter Reservations.
- Pay-as-you-go: 0,01 US-Dollar pro Credit ohne Vorabkauf, seit 1. Dezember 2024 verfügbar. Aktiviert wird es über eine Billing Policy im Power Platform Admin Center, die an eine Azure-Subscription gekoppelt und mit einem Environment verknüpft wird – und jederzeit wieder trennbar ist.
Was am 1. September 2026 wirklich passiert ist
Im Vortrag klang es so, als müssten seit September 2026 grundsätzlich alle Environments an einen Credit-Pool oder an Pay-as-you-go angebunden sein, sonst funktionieren Agents nicht mehr. Das trifft den Kern, ist aber präziser: Es ist das Ende einer Schonfrist, speziell für Developer- und Trial-Environments unter dem GitHub-Copilot-Harness – dem neuen, agentischen dritten Harness in Copilot Studio, neben Standard-Harness und klassischem Copilot Studio. Wörtlich in der offiziellen Doku:
“Developer and trial environments moved to usage-based billing on September 1, 2026.”
Vorher war Bauen und Testen dort nicht abrechnungspflichtig. Seit dem 1. September 2026 zählt dort jede Bau-, Test- und Evaluierungsaktivität gegen Credits – ohne verfügbare Credits läuft in diesen Environments nichts mehr.
Für den Standard-Harness gilt die allgemeinere Regel schon länger, nämlich seit dem Umstieg auf das Credit-Modell am 1. September 2025: Ein Environment ohne Credits oder Pay-as-you-go läuft in eine Overage Enforcement, die bei 125 Prozent der verfügbaren Kapazität greift. Dann werden Agenten deaktiviert, laufende Unterhaltungen aber geordnet zu Ende geführt. Eine feinere, separate Regel – das Agent-Flow-Enforcement – blockiert bereits früher nur neue Flow-Ausführungen, sobald die Prepaid-Kapazität aufgebraucht ist.
Cowork und Apps: eine neue Kostenstelle mit eigener Verwaltung
Copilot Cowork ist seit dem 16. Juni 2026 allgemein verfügbar, voll abrechnungspflichtig seit dem 1. Juli 2026. Offiziell listet Microsoft “Cowork, Apps built with Copilot Cowork, Work IQ API” ausdrücklich als Dienste, die über nutzungsbasierte Abrechnung laufen – dieselbe Credit-Währung wie in Copilot Studio, aber mit einer eigenen Kosteneinheit für das In-Cowork-App-Bauen, deren Rollout zeitlich in etwa mit dem Vortrag zusammenfiel (Anfang bis Mitte September 2026, laut Drittquellen – nicht auf einer datierten offiziellen Microsoft-Seite bestätigt).
Wichtig für die Governance: Es ist zwar dieselbe Währung, aber ein anderer Verwaltungs-Layer. Klassische Copilot-Studio-Agenten verwaltet ihr im Power Platform Admin Center. Cowork, in Cowork gebaute Apps und die Work-IQ-API laufen dagegen über Cost Management im Microsoft-365-Admin-Center – dort mit Spending Policies pro Nutzer oder Gruppe, Schwellenwert-Alerts, einem Credit-Anfrage-Workflow und einem /cost-Slash-Command direkt in Cowork für die Live-Kostenanzeige einer laufenden Aufgabe. Beide Layer ziehen aus demselben Tenant-Pool: Capacity-Pack-Credits, die ihr in Power Platform einem Environment zuweist, stehen Cowork im M365 Admin Center entsprechend nicht mehr zur Verfügung.
Was ihr als Admin diese Woche einstellen solltet
Für klassische Copilot-Studio-Agenten findet ihr im Power Platform Admin Center unter Licensing → Copilot Studio drei Tabs, die zusammen die Kostenkontrolle ergeben:
- Summary – tenant-weite Kapazitätsübersicht mit Prepaid- und Pay-as-you-go-Kennzahlen und einem Drei-Monats-Trend.
- Environments – Credit-Verbrauch je Environment, Status (innerhalb der Kapazität oder Overage), ob eine Allokation oder Pay-as-you-go aktiv ist.
- Manage Agents – jeder abrechnungspflichtige Agent tenant-weit einzeln, mit Monat-bis-heute-Verbrauch und Status (Within limit, Nearing limit, Over limit). Hier setzt ihr pro Agent ein monatliches Credit-Limit, einen Benachrichtigungs-Schwellenwert und optional einen harten Stopp (“Stop usage”).
Ein tenant-weites Standardlimit gibt es dabei ausdrücklich nicht – Microsofts eigene Doku hält fest, dass das Power Platform Admin Center kein Default-Agentenlimit vorsieht. Ihr müsst es je Agent selbst setzen oder über die Power Platform API automatisieren.
Ebenso wichtig: Azure-Budget-Alerts stoppen nichts. Sie benachrichtigen euch, mit Verzögerung, aber ein Environment weiterlaufen lassen sie trotzdem. Einen echten Stopp liefert nur das Agent-Limit mit “Stop usage”. Für eine grobe Vorabschätzung, bevor ihr überhaupt live testet, gibt es Microsofts offiziellen Copilot Studio Agent Usage Estimator.
Als Grundgerüst für eine nachhaltige Governance schlägt Microsoft selbst ein Vier-Schichten-Modell vor: Tenant (wer darf überhaupt Kapazität allokieren), Environment (Allokation, Tenant-Pool-Zugriff, Pay-as-you-go), Agent (Monatslimit, Benachrichtigung, Hard Stop) und Prozess (eine benannte Kostenverantwortung, ein Weg für Alert-Eskalationen, ein Freigabeprozess vor dem nächsten Environment). Dazu passt, Environments von Anfang an nach Zweck zu klassifizieren – Exploration, Test/Validierung, finanzierte Produktion – statt Governance erst nachträglich draufzusetzen.
Was du diese Woche tun kannst
- Prüft im Power Platform Admin Center unter Manage Agents, welche Agenten aktuell ohne Monatslimit laufen.
- Setzt für jeden produktiven Agenten ein Limit mit Benachrichtigungs-Schwellenwert – und für kritische Fälle zusätzlich “Stop usage”.
- Klärt, ob Dev-/Trial-Environments mit dem GitHub-Copilot-Harness seit dem 1. September 2026 noch eine gültige Credit-Quelle haben, bevor dort weitergebaut wird.
- Schaut im Microsoft-365-Admin-Center nach, ob Cowork und Apps bereits eigene Spending Policies haben – oder unkontrolliert am selben Tenant-Pool hängen wie eure Copilot-Studio-Environments.
- Benennt eine Kostenverantwortung pro Environment, bevor das nächste Team lostestet, nicht danach.
Wenn ihr genau dieses Credit- und Environment-Management für euren Copilot-Studio-Rollout aufbauen wollt, ist das eine Aufgabe für das Coaching für IT und Admins.
Den vollständigen Vortrag mit dem kompletten Zehn-Schritte-Modell zur Agent Readiness gibt es auf YouTube: „Copilot Studio & Agents: So bereitest du dein Unternehmen vor” (m365 Show, Kanal von Mirko Peters).
Quellen: Microsoft Learn – Billing and licensing, Requirements and messages management, Billing FAQ, Billing credit overview (Agents-Experience), Enforcement policy for credits, Govern credit consumption, Manage usage – GitHub Copilot harness, Pay-as-you-go overview, Copilot Credit Pre-Purchase Plan, Usage-based billing overview; Microsoft – Copilot Studio Pricing, Copilot Cowork GA-Ankündigung. Stand: 15. September 2026 – Preise, Kontingente und Schwellenwerte ändern sich bei Microsoft erfahrungsgemäß mehrfach im Jahr.